Geschichte

Aus der Geschichte von Stockstadt am Rhein

Durch die geographische Lage im Oberrheingebiet wirkten viele kulturelle Einflüsse über Jahrhunderte auf das Stockstädter Siedlungsgebiet. Der Rhein stellt nicht erst seit der Römerzeit einen der wichtigsten Handels- und Verkehrswege dar. Viele bedeutende Völker zogen durch dieses Gebiet und hinterließen ihre Spuren, von ganz besonderem Einfluss auf die Kultur waren jedoch die Römer. Sie brachten nicht nur den Straßen- und Brückenbau, die Architektur und den Weinbau in unsere Gegend. Durch ihre ausgedehnten Handelsbeziehungen wurde die Region in den regen Austausch zivilisatorischer Güter eingebunden, die bis heute unser Leben entscheidend beeinflussen. Eine bedeutende Verkehrsverbindung war die alte befestigte Römerstraße, die von Ladenburg über Gernsheim und Stockstadt nach Groß-Gerau führte und in erster Linie militärischen Zwecken diente. Einige alte Flurbezeichnungen in der Stockstädter Gemarkung deuten noch heute darauf hin: „Am hohen Weg“, „Hohe Straße“, „Oberstraße“.

Der womöglich älteste Grundriss Stockstadts von 1725.

Die Gründung des Dorfes Stockstadt am Rhein ist nicht genau zu bestimmen, da zuverlässige Urkunden aus dieser Zeit fehlen. Sie wird jedoch in der fränkischen Zeit vermutet. Im achten Jahrhundert wurde die Gemarkung von Mönchen, wahrscheinlich vom Kloster Lorsch aus kultiviert, worauf noch alte Flurnamen wie „Mönchäcker, Mönchwiesen“ oder „Mönchaue“ hinweisen. In diese Zeit fällt auch die Gründung vieler Niederlassungen in der näheren und weiteren Umgebung Stockstadts. (siehe Literaturauswahl Nr. 7 + 15)

Stockstadt wurde erstmals um 830/850 im Reichsurbar des Klosters Lorsch genannt, das im Ort Besitzungen hatte. 1184 wird urkundlich erwähnt, dass „Stochestat“ eine Pfarrkirche hat, die dem St. Albanskloster zu Mainz unterstand. Papst Lucius III. bestätigte damals den Besitz des Klosters einschließlich der Kirche. Diese Kirche befand sich auf dem Gelände der heutigen Hintergasse 21, wobei in diesem Bereich wohl auch der ursprüngliche Siedlungskern Stockstadts zu suchen ist. Später gehörte Stockstadt zu Kurmainz, das es 1279 an die Herren von Eppstein verlieh. Die hohe Gerichtsbarkeit lag bei den Herren von Katzenelnbogen beziehungsweise bei deren Lehnsleuten, den Herren von Wolfskehlen. Nachdem Johann Kämmerer von Dalberg 1428 Stockstadt erworben hatte, wurde es 1579 durch Tausch gegen Astheim und Dudenhofen hessisch. 1535 hatte Landgraf Philipp von Hessen bereits gegen den Willen von Mainz die Reformation in Stockstadt eingeführt. (siehe Literaturauswahl Nr. 17)

Die Mehrbildkarte aus den 1920er Jahren zeigt unten rechts das alte Rathaus von 1537, das 1959 abgerissen wurde.

1581 dürfte die erste Schule in Stockstadt gegründet worden sein. Bereits 1585 wird ein Schulmeister aus Erfelden genannt, der bis 1598 im Obergeschoss des 1537 erbauten Rathauses Unterricht hielt. Anders als in den meisten umliegenden Orten verfügte die Stockstädter Pfarrei über vergleichsweise umfangreichen Grundbesitz und damit Finanzmittel. Daher waren hier bis 1789 ausschließlich studierte Theologen und Schulmeister beschäftigt. Aufgrund steigender Schülerzahlen wurde der Bau eines Schulgebäudes notwendig, der 1840/41 in der Oberstraße realisiert wurde. Ende des 19. Jahrhunderts lag die Klassenstärke der 1. Klasse bei etwa 95, die der 2. bei etwas mehr als 100 Kindern, daher wurde 1906 ein neues Schulgebäude neben der evangelischen Kirche eingeweiht. 1949 besuchten 510 Kinder die Schule. Im Januar 1952 wurde auf dem Gelände in der Kirchstraße, hinter dem Schulgebäude von 1906, der erste Bauabschnitt der neuen Schule bezogen, die zunächst den Namen „Goetheschule“ erhielt. Bis Ende der 1970er Jahre folgten mehrere Erweiterungen des Gebäudekomplexes. Ab April 2009 bis Mitte 2010 wurde die Schule grundlegend saniert und weitgehend neu gebaut, sie trägt heute den Namen „Insel-Kühkopf-Schule“.

Landgraf Ludwig V gilt als Bauherr der 1607/08 erbauten Evangelischen Kirche.

 

Wohl ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts verschob sich die Siedlungsachse nach und nach zur fast genau von Norden nach Süden verlaufenden Hauptstraße, der heutigen Vorder- und Oberstraße. Hier findet sich bis heute an zwei gegenüberliegenden Hofreiten eine Kuriosität: Der Überlieferung zufolge sollen in den Häusern Vorderstraße 14 und Vorderstraße 15 zwei Brüder gewohnt haben, die miteinander im Streit lagen. Einer von ihnen brachte daher, statt eines weiteren Argumentes, eine Fratze am Torbogen des Hauses Vorderstr. 14 an, die dem gegenüberliegenden Haus deutlich die Zunge herausstreckt. Daraufhin brachte der dort wohnende Bruder an seinem Haus einen Sandstein in Form eines Gesäßes an, das heute allerdings dort nur noch als Nachbildung vorhanden ist.
(siehe Literaturauswahl Nr. 7)

Ende des 16. Jahrhunderts wird die bereits erwähnte Kirche in der heutigen Hintergasse als so baufällig bezeichnet, dass „der Pfarrer nicht mehr trocken auf der Kanzel stehen könne“. Man begann daher 1607 mit dem Bau der im gotischen Stil gehaltenen neuen Kirche in der heutigen Kirchstraße. Die Kosten für das 1608 fertiggestellte Gotteshaus hatten die Gemeinde, der Graf von Erbach und der als eigentlicher Bauherr geltende Landgraf Ludwig V von Hessen-Darmstadt zu tragen. Sein Wappen und das seiner Gemahlin Magdalena von Brandenburg zieren bis heute die im Renaissancestil gestaltete Stuckdecke des Kirchenschiffs über dem Altar. (siehe Literaturauswahl Nr. 17)

Bis zum frühen 19. Jahrhundert besaß Stockstadt einen für die Region bedeutenden Rheinhafen. Landgraf Georg I von Hessen-Darmstadt veranlasste gegen Ende des 16. Jahrhunderts den Ausbau des Stockstädter Hafens, da von dort aus zur damaligen Zeit der kürzeste Transportweg vom Rhein in die stark wachsende Residenz Darmstadt bestand. 1581 errichtete man das herrschaftliche Lagerhaus, das im Volksmund wegen seiner enormen Größe der „Bau“ genannt wurde. Unter anderem wurde sogar der Grundstock für die Sammlungen des Hessischen Landesmuseums und der Hochschulbibliothek über den Stockstädter Hafen angeliefert und kurzeitig im herrschaftlichen Lagerhaus zwischengelagert. Dies hatte folgenden Hintergrund: Der Kölner Sammler Baron von Hüpsch hatte nach seinem Tod dem hessischen Landgrafen Ludwig X – dem späteren Großherzog Ludwig I – seine umfangreiche Kunst und Antiquitätensammlung vermacht. Diese wurde in Köln von den Gesandten des Landgrafen in Empfang genommen, in 341 Kisten verpackt und im August 1805 per Schiff nach Stockstadt gebracht, bis dann der Weitertransport mit landgräflichen Karossen nach Darmstadt erfolgten konnte. Der Hafen bot eine gute Einnahmequelle für die Stockstädter Bevölkerung. Neben Baumaterialien wurden dort beispielsweise Wein, Heringe, Getreide und Kohlen umgeschlagen. Stockstadt hatte zu jener Zeit auch ein bedeutendes Salzmagazin.

Postkarte aus den 1890er Jahren, die im oberen Bereich eine Panoramaansicht Stockstadts um 1800 zeigt, wo noch deutlich der Hafenbereich erkennbar ist.

Der Stockstädter Hafen befand sich im Bereich um die heutigen Tennisplätze, des Spielplatzes und des Reitplatzes. Es bestand ein Floßhafen mit einem stattlichen Kran, wo das Floßholz aus dem Schwarzwald angeliefert wurde, das für das rasch wachsende Darmstadt als Baumaterial benötigt wurde. Ein anderer Bereich wurde von der Fischerei genutzt, die sich zu einem bedeutenden Gewerbe entwickelte. Zum Fischen benutze man unter anderem den sogenannten Krappen, eine Vorrichtung, die durch einen verschließbaren Kanal mit dem Rhein verbunden war. Durch diesen stiegen die Fische auf und konnten, nachdem man den Kanal verschloss, leicht abgefischt werden. Die alte Flurbezeichnung „Herrschaftlicher Krappen“ weist darauf hin, dass hier Fische für den landgräflichen Hof in Darmstadt gefangen wurden. (siehe Literaturauswahl Nr. 12 + 16)

Einen großen Einschnitt bedeutete der Dreißigjährige Krieg. 1625 entstand durch Plünderung ein Schaden von mehr als 12.700 Talern. 1631 setzten unweit von Stockstadt schwedische Truppen über den Rhein. Angeblich benutze König Gustav Adolf am Tag vor dem Rheinübertritt einen Nachen, um von Stockstadt aus die Gegend zu erkunden. Kriegsverheerungen zwangen die Gemeinde 1637 dazu, einen Teil ihrer Allmende zu verkaufen. Zum Ende des Krieges galten von ursprünglich 69 Wohnhäusern nur noch 19 als bewohnbar. 1689 brannten französische Truppen 34 Wohnhäuser und mehr als 100 Nebengebäude nieder. Daher gibt es in Stockstadt neben der evangelischen Kirche kaum Gebäude, die vor der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet wurden. Anfang des 18. Jahrhunderts war eine Zeit relativer Ruhe, die Bevölkerung wuchs auf etwa 400 Personen an. (siehe Literaturauswahl Nr. 7 + 18)

Der jagdbegeisterte Landgraf Ludwig VIII von Hessen-Darmstadt besuchte des Öfteren Stockstadt und den Kühkopf. Nachdem Ludwig VIII am 10. März 1740 von Stockstadt aus mit Gefolge zu Fuß über den zugefrorenen Rhein schritt, wurden zum Gedenken daran die beiden „Herrensteine“ am jeweiligen Flussufer gesetzt, die bis heute erhalten sind. Aufgrund dieses Ereignisses soll sogar ein „Feuerwerk auf dem Rhein gespielt worden sein“, wie es in einer Überlieferung heißt. (siehe Literaturauswahl Nr. 9)

Altrhein mit Hofgut Guntershausen um 1900.

Ein weiterer tiefer Einschnitt, nicht nur für die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes, erfolgte 1829 durch den Rheindurchstich am Geyer. Bereits 1797 hatte der badische Baumeister Johann Gottfried Tulla einen umfangreichen Entwurf zur Begradigung des Rheines vorgelegt, aber erst die politischen Veränderungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts ermöglichten die Weiterbearbeitung dieser länderübergreifenden Maßnahme. Der großherzogliche Darmstädter Wasserbaudirektor Dr. Claus Kröncke nahm sich dieses Projektes an und setzte den Rheindurchstich um, der letztendlich den Kühkopf zu Insel machte. Ab März 1828 wurde ein etwas über 20 Meter breiter Kanal gegraben, dessen Enden zunächst verschlossen blieben. Diese wurden am 30. April 1829 geöffnet, das einströmende Wasser verbreiterte und vertiefte den Kanal und schuf so ein neues Flussbett. Mit dem Rheindurchstich verlor der Stockstädter Hafen seine Bedeutung und ging schließlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts vollständig ein. Nicht zuletzt durch den damit zusammenhängenden Verlust der Arbeitsplätze sahen sich um 1850 etwa 100 Menschen gezwungen nach Amerika auszuwandern. Teilweise wurde die Auswanderung sogar durch die Gemeinde finanziert. Das herrschaftliche Lagerhaus, der „Bau“, das sich im Kreuzungsbereich der heutigen Rheinstraße/Vorderstraße befand, wurde verkauft und brannte 1849 völlig ab. 1852 wurden die Reste des stattlichen Gebäudes als Baumaterial versteigert. Zwei der ursprünglich zwölf Sandsteinsäulen, welche die Gewölbedecke des zweistöckigen Gebäudes trugen, sind vermutlich noch erhalten und stützen in der Hofreite Vorderstraße 14 ein Nebengebäude. (siehe Literaturauswahl Nr. 4, 16 + 21)

Die Stockstädter Bahnstraße um 1910.

Nach dem Reindurchstich entwickelten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in unmittelbarer Umgebung Ziegeleien, deren Rohstoff vor allem im Bereich der Verlandung des Altrheinarms leicht abzubauen war. Vielerorts entstanden Feldbrandöfen, in denen wiederum neue Arbeitsplätze geschaffen werden konnten. Eine weitere Verbesserung der Verkehrsanbindung und damit auch der wirtschaftlichen Situation brachte der Ausbau der Riedbahn 1869.

Der Kühkopf war ausgangs des 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts ein wahres Jagddorado. Die Bestände des jagdbaren Wildes wurden durch besondere Maßnahmen und Bemühungen, insbesondere des Freiherrn Cornelius Wilhelm von Heyl zu Herrnsheim, dem damaligen Besitzer des Hofgutes Guntershausen, gehoben. Jagdgäste aus aller Welt nahmen an den Jagden teil. Einer Einladung des Freiherrn folgend, besuchte sogar Zar Nikolaus II von Russland am 3. November 1903 den Kühkopf zu einem Jagdausflug. In der Begleitung des Zaren befanden sich dessen Schwager Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein, sowie Prinz Heinrich von Preußen, der Bruder des letzten Deutschen Kaisers Wilhelm II. Auch König Wilhelm II von Württemberg wurde vom Freiherrn von Heyl als Jagdgast auf dem Kühkopf begrüßt. Der König blieb gleich mehrere Tage, nämlich vom 30. April bis zum 2. Mai 1911. Nach der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg und der damit einhergehenden Revolution fanden diese Jagdgesellschaften nicht mehr statt. (siehe Literaturauswahl Nr. 5, 14 + 19)

Beim Bombenabwurf am 11.04.1943 zerstörte Wohngebäude am Stockstädter Marktplatz.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden in der Nacht vom 10. auf den 11. April 1943 etliche Häuser, Stallungen und Scheunen durch einen Bombenabwurf zerstört. Sogar der Tod einer Stockstädter Mitbürgerin war zu beklagen. Durch die Detonation einer Luftmine auf dem Marktplatz wurde auch die Evangelische Kirche stark beschädigt. (siehe Literaturauswahl Nr. 10)
Nennenswerte Neubaugebiete wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg erschlossen, als sich mehr als 700 Vertriebene niederließen. Ebenfalls nach dem Zweiten Weltkrieg wurden weite Teile des Kühkopfs, der bis dahin zu Rheinhessen gehörte, der Stockstädter Gemarkung zugeschlagen, die damit auf mehr als 1.800 Hektar anwuchs. Mit der Ansiedlung der Heimatvertriebenen gründete sich auch eine katholische Kirchengemeinde. Sie feierte ihre Gottesdienste zunächst in der Turnhalle der Stockstädter Schule. Im Juli 1960 wurde der Grundstein für eine katholische Kirche gelegt, die zumeist am Wochenende in Eigenleistung erbaut wurde. Ihre Inneneinrichtung bestand überwiegend aus Sachspenden. Obwohl seit 1961 darin Gottesdienst gehalten wird, fand die Einweihung erst am 07. Juli 1974 statt.

Die Einwohnerzahl Stockstadts ist in letzten 220 Jahren kontinuierlich gestiegen, wie die nachstehenden Zahlen belegen: 1794 – 605 Einwohner, 1871 – 1.104 Einwohner, 1905 – 1.431 Einwohner, 1939 – 2.129 Einwohner, 1950 – 3.158 Einwohner, 1976 – 4.554 Einwohner, 1984 – 5.243 Einwohner, 2004 – 5.815 Einwohner und 2014 – 5.892 Einwohner. Doch noch bis ins letzte Jahrhundert hinein war Stockstadt vorwiegend ein Bauern- und Fischerdorf. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich der Wandel zu einer modernen Gewerbe- und Wohngemeinde vollzogen.

Firma J. F. Nold & Co im Jubiläumsjahr 1950.

Im Jahre 1890 gründete der Stockstädter Schlossermeister Jakob Friedrich Nold zunächst eine Kunst- und Bauschlosserei, die mit zunehmender Größe des Betriebs in J. F. Nold & Co umgewandelt wurde. Die Firma J. F. Nold & Co war zeitweise der größte Arbeitgeber in Stockstadt und der Region. Nach den beiden Weltkriegen gab der Betrieb hunderten von Menschen wieder Arbeit und Brot. Die Firma hat in den Nachkriegs- und Aufbaujahren die wirtschaftliche Entwicklung im Wesentlichen mitgetragen, die Infrastruktur in und um Stockstadt profitierte vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Zu besten Zeiten waren in den Büros und in der Fertigung von Lochblechen, Brunnenfilterrohren, Kellerfenstern sowie in der Verzinkerei 600 – 700 Mitarbeiter beschäftigt. Der Wandel Stockstadts zur modernen Gewerbe- und Wohngemeinde ist daher nicht unwesentlich dem wirtschaftlichen Erfolg der Firma J. F. Nold & Co zu verdanken. In den 1990er Jahren verschlechterte sich allerdings die wirtschaftliche Situation des Unternehmens, so dass 1995 Insolvenz angemeldet werden musste. Teilbereiche des Betriebes gingen danach in die Firma RMIG Nold GmbH über, die noch heute am Standort Stockstadt am Rhein produziert.

Stockstädter Postkarte aus den 1950er Jahren, auf der oben rechts ein Ölborturm abgebildet ist.

Anfang der 1950er Jahre fand man bei Stockstadt Erdöl. Die Gewerkschaft Elwerath aus Hannover förderte erstmals am 30. November 1952 auf der Hahnlache Öl. Der Transport erfolgte zunächst über Lastwagen zum Stockstädter Bahnhof, von wo aus es mit Kesselwagen weiter transportiert wurde. Über viele Jahre hinweg prägten Bohrtürme und Ölpumpen das Bild der Landschaft. Bis 1994 wurden bei Stockstadt rund eine Million Tonnen Erdöl gewonnen. Ein Relikt dieser Abbauphase ist die letzte erhaltene Pferdekopfpumpe am Bohrloch Stockstadt 38 auf dem Kühkopf, die heute als Industriedenkmal die Erinnerung an diese Zeit wachhält. Nach der Entwicklung rentablerer Abbaumethoden und vor allem einer deutlichen Wertsteigerung von Öl, wurden in der zweiten Jahreshälfte 2013 erneut Bohrungen durchgeführt. (siehe Literaturauswahl Nr. 7)

Das starke Wachstum der Bevölkerung und der gleichzeitig in Angriff genommene Ausbau der Infrastruktur schufen auch die Voraussetzungen, um die Gemeinde mit allen für ein modernes Gemeinwesen notwendigen Einrichtungen zu versehen. So verfügt Stockstadt heute über ein Sportzentrum mit Sport- und Tennisplätzen, ein Bürgerhaus mit

Stockstadt am Rhein Mitte der 1960er Jahre, im Vordergrund ist das damals gerade neu eröffnete Schwimmbad zu erkennen.

Mehrzweckhalle und Clubräumen und drei Kegelbahnen, womit dem kulturellen und dem Vereinsleben weiteren Auftrieb gegeben wird. Weiterhin ist eine Großsporthalle (27 × 45 m) mit Tribüne und ein Freischwimmbad mit 20.000 qm Liegewiese vorhanden. Zwei Kindergärten und zahlreiche Kinderspielplätze stehen zur Verfügung.

Für Besucher des Europareservates Kühkopf-Knoblochsaue ist Stockstadt am Rhein ein hervorragender Ausgangspunkt zum Erkunden der Region. Über die Stockstädter Altrheinbrücke erreicht man in wenigen Minuten das „Eingangstor“ zum Kühkopf: das historische Hofgut Guntershausen, wo man eingeladen wird, das Naturparadies kennen und lieben zu lernen. (siehe Literaturauswahl Nr. 2, 3 + 19)

In der vom Förderverein Hofgut Guntershausen e. V. betreuten Außenstelle des Museums der Gemeinde Stockstadt am Rhein – im ehemaligen Verwalterhaus des Hofgutes Guntershausen auf dem Kühkopf – werden Aspekte aus der Stockstädter Ortsgeschichte und der Region um den Kühkopf aufgegriffen. Anhand von Exponaten und Informationstafeln erhält der Besucher einen Einblick in einige der bereits erwähnten Themenbereiche. Die in der nachstehenden Literaturauswahl aufgeführten Veröffentlichungen des Fördervereins Hofgut Guntershausen e. V. sind dort während der Öffnungszeiten im Museumsshop erhältlich. Info unter www.hofgut-guntershausen.de Interessante naturkundliche Informationen rund um das Naturschutzgebiet und Europareservat Kühkopf-Knoblochsaue erhält man im Umweltbildungszentrum „Schatzinsel Kühkopf“, das im Nordflügel des Hofgutes Guntershausen untergebracht ist. Info unter www.schatzinsel-kuehkopf.de

Das Hofgut Guntershausen mit dem Umweltbildungszentrum „Schatzinsel Kühkopf“ (links) und dem Museum und der Galerie im Verwalterhaus (rechts).

Das Hofgut Guntershausen mit dem Umweltbildungszentrum „Schatzinsel Kühkopf“ (links) und dem Museum und der Galerie im Verwalterhaus (rechts).

 

 

Literaturauswahl zu Stockstadt am Rhein

Bielohlawek-Hübel, Gerold
1. Damals auf dem Kühkopf mit den Jugenderinnerungen des Förstersohnes Christian Damm, Verlag Strobach, 1988
2. Erlebnis Kühkopf – Knoblochsaue, Wegbegleiter durch die Auenlandschaft von Kühkopf und Knoblochsaue, Forum Verlag Riedstadt, 2003
3. Kühkopfgeschichte(n), Forum Verlag Riedstadt, 2002
4. Wie der Kühkopf entstand, Forum Verlag Riedstadt, 2004

Ellermann, Erich
5. Die Herren der Insel, Verlag Strobach, Frankfurt am Main, 1993
6. Stockstadt am Rhein in alten Ansichten, Europäische Bibliothek – Zaltbommel/Niederlande, 1988
7. Stockstadt am Rhein im Zentrum ereignisreicher Ried-Geschichte, Selbstverlag, 1981

Hartung, Jörg
8. Als der Rhein das Ried überflutete – Chronik zur Hochwasserkatastrophe von 1882/83 im Hessischen Ried, Hrsg.: Förderverein Hofgut Guntershausen e.V., 2012
9. Die Herrensteine bei Stockstadt am Rhein, Forum Verlag Riedstadt, 2006
10. Die Nacht, als die Bomben kamen – Eine Dokumentation zum Bombenabwurf auf Stockstadt am Rhein am 11. April 1943, Hrsg.: Förderverein Hofgut Guntershausen e.V., 2013
11. Familienbuch Stockstadt am Rhein 1643 – 1900, Forum Verlag Riedstadt, 2005
12. Pest, Ablass und Stockstädter Fährgeschichte historische Hintergründe zum Stück „Der Fährmann vom Kühkopf“, Hrsg.: Förderverein Hofgut Guntershausen e.V., 2010
13. Saft, Saft, Seide, Holler in de Weide – Altes Brauchtum in den Riedgemeinden, Forum Verlag Riedstadt, 2006

Hartung, Jörg / Kraus, Otto
14. Der Zarenbesuch auf dem Kühkopf, Forum Verlag Riedstadt, 2004

Horst, Klaus / Allard, Annemarie
15. Stockstadt am Rhein – Bilder aus vergangenen Zeiten, Geiger-Verlag, Horb am Neckar, 1988

Kraus, Otto
16. Leben im Wandel des Rheins – Geschichten rund um den Stockstädter Hafen, Forum Verlag Riedstadt, 2005

Kraus, Otto / Hartung, Jörg / Hoffmann, Lothar
17. Die Evangelische Kirche in Stockstadt am Rhein, Hrsg.: Evangelische Kirchengemeinde Stockstadt am Rhein, 2007

Pehle, Hans
18. Der Rheinübergang des Schwedenkönigs Gustav II. Adolf, Forum Verlag Riedstadt, 2001

Pfeifer, Sebastian
19. Die Rheininsel „Kühkopf“, Faksimile, Forum Verlag Riedstadt, 2004

Schumer Chapman, Fern
20. Mutterland …nach dem Holocaust, Christel Göttert Verlag, Rüsselsheim, 2002

Sonneck, Volker / Frey, Frank
21. Über den Rhein zum Kühkopf, Die Guntersblumer Rheinfähre „Hinüber und Herüber“ von 1829-2005, Forum Verlag Riedstadt, 2005


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